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Wie lange dauert es einen Hund zu erziehen?

Darauf gibt es nur eine Antwort und die ist ganz pragmatisch: ein (Hunde-) Leben lang!

King Charles Spaniel nachdenklich Hundetrainer

Auch wenn es viele Situationen enorm vereinfachen würde, lernen unsere Hunde nicht nur während wir gerade bewusst mit ihnen trainieren. Das Wort „bewusst“ spielt hier eine maßgebliche Rolle, denn genau genommen trainieren wir unsere Hunde in jedem Augenblick. Erziehung findet eben nicht nur dann statt, wenn wir es gerade wollen. 

Unsere Hunde beobachten uns den ganzen Tag – und das mit all ihren Sinnen. Als Meister der Körpersprache nehmen sie kleinste Signale unsererseits wahr und können Situationen blitzschnell einschätzen und zuordnen. Aus unseren Handlungen und unserer Routine leiten sie Regeln ab, denen sie sich anpassen. Nicht immer zur Freude der Zweibeiner wie der folgende Witz mit einem Augenzwinkern veranschaulichen soll: 

 

Border Collie geht an der Leine Hundetrainer Hundetraining

 

"Ich wollte den Hund erziehen, dass er bellt, wenn er Hunger hat.

Ich habe es ihm hundertmal vorgemacht.“ 

„Und, bellt er jetzt, wenn er Hunger hat?“ 

„Nein, jetzt frisst er nur noch, wenn ich vorher belle!“

(Karl Gengenbach)

 

 

Hunde lernen eben nicht nur durch bewusste Erziehungsmaßnahmen ihrer Halter, sondern auch durch jegliche Menschen, Hunde und sonstige Lebewesen, mit denen sie in Kontakt kommen, durch ihre Umgebung und ihre täglichen Erlebnisse. All das sind Faktoren, die die Erziehung ein Hundeleben lang beeinflussen und Hund-Mensch-Teams immer wieder vor Herausforderungen stellen können.

In ein paar Wochen zum Vorzeige-Hund?

Hundeerziehung bedeutet nicht, dass man mit seinem Hund einen mehrwöchigen Kurs in einer Hundeschule absolviert, um danach den perfekt erzogenen Hund zu haben. In diesen Wochen können lediglich Grundlagen für weiteres Training gelegt werden. Einen Hund zu erziehen ist eine Dauerbeschäftigung die täglich und in jeglichen Situationen stattfindet. Irgendwann nehmen wir Hundehalter diese Trainingsmomente gar nicht mehr als solche wahr, da es einfach zum Alltag dazugehört mit dem Hund gemeinsam neue Herausforderungen zu meistern oder auf die Einhaltung der vorgegebenen Regeln zu achten. 

  • Wenn wir den Hund davon abhalten die Nachbarskatze zu verjagen, trainieren wir ihn. 
  • Wenn wir beim Spaziergang eine Pause auf einer Parkbank einlegen, trainieren wir ihn. 
  • Wenn wir während der Busfahrt darauf achten, dass der Hund den Maulkorb nicht abstreift, trainieren wir ihn.
  • Wenn wir den Hund von fremden Kindern streicheln lassen, trainieren wir ihn.
  • Wenn wir mit dem Hund erstmals an einer Kuh-Herde vorbeilaufen, trainieren wir ihn.
  • Wenn wir den Hund mit ins Café nehmen, trainieren wir ihn.
  • Wenn wir den Hund beim Empfang von Besuch auf seine Decke schicken, trainieren wir ihn.
  • Wenn wir den bettelnden Hund wegschicken, trainieren wir ihn.
  • Wenn wir den Hund morgens aufs Sofa lassen, es ihm aber abends verbieten, trainieren wir ihn.

Die Beispiele könnten zahlreich und beliebig so weitergeführt werden. 

Wo bleibt dabei der Spaß?!

Französische Bulldogge schaut Besitzer an - Hundetraining Hundetrainer Trainingsplan

Das klingt ganz schön anstrengend, ewiges Erziehen! Erreicht ein Hund denn nicht jemals ein Niveau, auf dem man es belassen kann? 

Vergleichen wir hier doch einmal die Hundeerziehung mit der Kindererziehung. Wie lange müssen Kinder erzogen werden? Genau genommen solange, bis sie volljährig sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Bis dahin können die Eltern versuchen sie auf alles (in ihren Augen) Wichtige vorzubereiten. 

Hunde werden im Gegensatz zu Kindern nie volljährig. Zudem „können“ Hunde in unserer Menschenwelt nie eigene Entscheidungen treffen – das sollten sie zumindest nicht müssen. Diese Verantwortung würde sie maßlos überfordern und daraus resultiert im Großteil der Fälle ein gestresster „verhaltensauffälliger“ Hund. Sobald wir Menschen einen Hund zu uns nach Hause holen, ist für ihn alles neu, alles aufregend und alles muss gelernt werden. Selbst bei einem ausgewachsenen Hund, denn auch dieser muss sich in der neuen Umgebung eingewöhnen, seine neuen Besitzer lesen lernen und sich in die neue Routine und Struktur einfügen. Ganz schön beeindruckend, was unsere Hunde dabei leisten und wie anpassungsfähig sie sind. 

 

Biologisch betrachtet sind Hunde ab ca. 3 Jahren erwachsen. Die Phase bis dahin ist definitiv trainingsintensiver. Wer sich in dieser Zeit jedoch eine gute Basis erarbeitet, erlangt danach vielleicht den Punkt an dem er sagen kann „Ich bin mit meinem Hund zufrieden, mehr muss er gar nicht können. Für unseren Alltag funktioniert’s“. Jedoch wäre es schade, die Hundeerziehung als einen Punkt auf der To-Do-Liste zu betrachten, den man ab einem gewissen Zeitpunkt abhaken kann. Erziehung ermöglicht ein entspanntes Miteinander. Ein Hund, der sich durch Anleitung von seinem Menschen sicher im menschlichen Umfeld bewegen kann, kommt innerlich zur Ruhe. Diese Anleitung benötigen Hunde ihr ganzes Leben lang, da sie immer wieder einmal mit Situationen konfrontiert werden, die für sie neu sind. 

Erziehung ist zudem ein großer Liebesbeweis. Um erziehen zu können, bedarf es erst einer Beziehung. Wäre uns das Verhalten und das Wohlergehen unserer Hunde egal, würden wir sie erst gar nicht erziehen. Durch Erziehung lernen wir auch mit unseren Hunden zu kooperieren. Es geht nicht um das Recht des Stärkeren, sondern darum durch Einhaltung von Regeln (von beiden Seiten!) ein entspanntes Zusammenleben zu genießen.

Die Chance des lebenslangen Lernens nicht zu nutzen, wäre schade. Denn sich gemeinsam mit seinem Hund weiterzuentwickeln, gemeinsam neue Dinge zu entdecken und zu lernen macht nämlich beiden Seiten Spaß und das ebenso ein (Hunde-) Leben lang!

Ein Geheimtipp für alle die gerne schneller zum Ziel des "fertig erzogenen Hundes" kommen möchten: 

Sich sehr zurückgezogen in einer reizarmen Umgebung aufhalten und strikte Routine mit möglichst wenig Ablenkungen und Veränderungen leben, dann wird der Hund vielleicht ein Niveau erreichen können, auf dem man es belassen kann – aber nur vielleicht ;-)

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