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Kann Ernährung das Verhalten unserer Hunde beeinflussen?

JA! Denn auch wie beim Säugetier Mensch, kann ein Hundekörper (insbesondere der Darm und das Gehirn) nur richtig funktionieren, wenn er mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. 

 

Nahrung dient nämlich nicht einfach nur dazu, dem Hundekörper Energie zuzuführen. Die Zusammensetzung des Futters (Anteile an Kohlenhydraten, Fett, Protein) beeinflusst den Aminosäure-Haushalt. Dieser bestimmt welche Neurotransmitter dem Gehirn zur Verfügung stehen. Beispielsweise das Glückshormon Serotonin oder die Stresshormone Adrenalin und Cortisol.

Darmbakterien sind ebenfalls für die Produktion von Neurotransmittern zuständig, weshalb eine gesunde Darmflora ebenfalls das Verhalten von Hunden beeinflusst. Eine ungesunde/ungeeignete/mangelhafte Ernährung führt langfristig zu körperlichen Beschwerden, was sich wiederum in Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen kann. 

 

Wird ein Hund mit Futter ernährt, das nicht das richtige für ihn ist, können also Symptome wie Aggressivität, Unruhe, Müdigkeit, Gereiztheit, Zittern oder Aufmerksamkeitsschwierigkeiten auftreten. 

Auch eine Vielzahl an Erkrankungen kann auf Fehlernährung zurückgeführt werden. Unter anderem Übergewicht, Gastritis, Verdauungsbeschwerden und Durchfall, Hauterkrankungen, Fettleber, Nierenleiden, Allergien und Unverträglichkeiten.

Bei dem riesigen Überangebot an Hundefuttersorten, -marken und Ernährungsarten weiß man als Hundebesitzer ja gar nicht so recht, worauf man achten soll. Nass- oder Trockenfutter oder doch BARF? Wenn es teuer ist, muss es doch eigentlich auch hochwertig sein? Wie kann es sein, dass mein Hund von scheinbar hochwertigem Futter Probleme bekommt?

Worauf muss denn nun geachtet werden, unabhängig davon welche Fütterungsart man wählt?

Auf die richtige Zusammensetzung des Futters und die passenden Inhaltsstoffe!

Insbesondere industriell hergestelltes Trocken- oder Nassfutter kommt hier immer wieder in Verruf. Denn in der EU sind Futtermittelhersteller nur begrenzt verpflichtet, alle enthaltenen Inhalts- und Zusatzstoffe anzuführen. Und auch wenn auf der Verpackung Huhn/Rind oder welches Tier auch immer drauf steht, ist im Futter oft nur ein sehr geringer hochwertiger Fleischanteil davon enthalten. Für eine Produktbezeichnung wie „mit Huhn“ ist es gesetzlich ausreichend, wenn nur 4% Huhn im Futter enthalten ist.

 

Ist BARF die einzig wahre Lösung?

Bei der Rohfütterung hast du selbst die maximale Kontrolle über die Zutaten und kannst das Futter ganz individuell an deinen Hund anpassen. Künstliche Zusatzstoffe, Aromen und Konservierungsmittel sind hier Fremdwörter. Potentiell kann BARF zudem nachhaltig sein, wenn die Produkte regional gekauft werden und du auf Müllvermeidung achtest. 

 

Allerdings musst du dir umfangreiche Fachkenntnisse aneignen um eine wirklich bedarfsgerechte Mahlzeit für den Hund zusammenzustellen. Über- und Unterdosierungen von Nährstoffen können leicht passieren und zu Mangelerscheinungen führen. Gerade bei Junghunden kann dies zu Missbildungen des Bewegungsapparats führen. Zudem sollte der Zeitaufwand für die Zubereitung und die benötigten Lagermöglichkeiten im Kühl-/Gefrierschrank nicht unterschätzt werden. Auch im Urlaub mit Hund kann BARF eine Herausforderung darstellen. Deshalb greifen viele Hundehalter doch lieber auf Fertigfutter zurück. 

Was steckt dann aber wirklich drinnen, im Fertigfutter?

Inhaltsstoffe:

Der Hersteller kann diese in Gruppen zusammenfassen (Fleisch & tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, Öle und Fette, …) oder einzeln mit prozentueller Verteilung (55% Huhn einschließlich 31% frische zubereitetes Huhn, 21% getrocknetes Huhn, 3% Hühnerbrühe) anführen. 

Der Inhalt, von dem am meisten im Futter enthalten ist, steht an erster Stelle. Alle weiteren Produkte folgen in abnehmender Reihenfolge. 

 

Fleisch & Tierische Nebenerzeugnisse: ist meist ein Sammelbegriff für Schlachtreste mit unterschiedlicher Qualität: Borsten, Klauen, Hufe, Federn, Sehnen, Euter, Fell, Milz, Ohren, Schnäbel oder Tiermehl (aus Geflügel-Nebenprodukten, Knochenmehl, Schafsfell, Fischmehl).

 

Zusatzstoffe: listet die chemisch/gentechnisch hergestellten Vitamine und die zugesetzten Spurenelemente. Nur die Vitamine A, D und E sowie das Spurenelement Kupfer müssen deklariert werden.

 

Nur wenn der Hersteller "keine Zusatzstoffe" angibt, kannst du dir sicher sein, dass keine künstlich hergestellten Vitamine im Futter sind. Zugesetzte Vitamine können vom Hundekörper teilweise gar nicht verwertet werden, ein zu hoher Anteil kann zu Überversorgung und dadurch zu Krankheiten führen. 

 

Analytische Bestandteile

Diese sind wichtig um den Nährwert und den Mineralstoffgehalt des Futters zu beurteilen. Die Werte allein sagen aber nichts über die Qualität der im Futter verwerteten Produkte aus. 

  • Rohprotein: Sammelbegriff für alle Proteine, ob von Tieren oder von Pflanzen, ob verdaulich (Ei, Muskelfleisch) oder weniger gut bzw. unverdaulich (Bindegewebe). D.h. es kann sich um Eiweiß aus Fleisch handeln oder von Sojaprodukten, Mais- oder Weizenkleber (Gluten). Der Sammelbegriff selbst sagt also nichts über die Verwertbarkeit für den Hund sagen.
    Empfohlene Richtwerte pro 100g: Trockenfutter > 18%, Nassfutter > 5,5% 
  • Rohfett: beinhaltet alle tierischen und pflanzlichen Fette. Für Hunde ist Fett ein wichtiger Energieträger. Der Rohfett-Anteil sagt wiederum nichts darüber aus, ob alle für den Hund wichtigen Fette enthalten sind, oder ob die Fette schlecht verwertbar sind. Geeignet sind Tierfette (Geflügel- und Rinderfette z.B.) und pflanzliche Öle wie Sonnenblumen-, Lein- oder Lachsöl. Wichtige Fettsäuren wie Omega 3 und 6 sollten hier enthalten sein.
    Empfohlene Richtwerte pro 100g: Trockenfutter > 5%, Nassfutter > 1% 
  • Rohasche: die Summe aller Mineralstoffe und Spurenelemente im Futter die übrig bleiben, nachdem eine Futterprobe in einem speziellen Ofen bei 550°C erhitzt wurden, bis nur noch die Asche überbleibt. Kalzium, Magnesium und weitere lebenswichtige Mineralstoffe sind in der Rohasche enthalten. Grundsätzlich gilt: je niedriger der Wert von Rohasche ist, umso hochwertiger ist die Proteinquelle da dann der Knochenanteil gering ist. 
    Empfohlene Richtwerte pro 100g: Trockenfutter < 10%, Nassfutter < 2% 
  • Rohfaser: Ballaststoffe und unverdauliche Pflanzenfasern, vor allem Zellulose. Rohfasern regen die Darmbewegung an. Zu hohe Anteile davon verringern jedoch die Vertraulichkeit des Futters und sorgen für ein schnelles Sättigungsgefühl. 
    Empfohlene Richtwerte pro 100g: Trockenfutter < 1%, Nassfutter > 0,2% 

Was definitiv nicht ins Futter gehört:

  • Farbstoffe. Diese sollen das Futter optisch ansprechender machen. Oft werden statt Karotinoide künstlich hergestellte Lebensmittelfarben verwendet.
  • Aromastoffe & Geschmacksverstärker. Diese sollen den Appetit anregen, wenn das Futter besser riecht und schmeckt, will der Hund mehr davon fressen. Häufig Glutamat und Hefeextrakt. Glutamat beeinträchtigt das Sättigungshormon "Leptin", dadurch wird der Hundekörper angeregt mehr zu fressen, als er benötigt. 
  • Konservierungsmittel
  • Zucker: manipuliert das Appetitzentrum im Gehirn des Hundes. 
  • Soja: wirkt wie ein Geschlechtshormon (da es Phytoöstrogene enthält) und kann den Hundeorganismus beeinträchtigen, insbesondere die Schilddrüse. 

Woran erkenne ich nun ein gutes Fertigfutter?

Kohlenhydrate (wie Getreide oder Kartoffeln) sollten nicht an erster Stelle bei den Inhaltsstoffen stehen. Bei Nassfutter sollte der Fleischanteil bei 69-74% liegen, der Gemüse- und Getreideanteil unter 4%. Bei Trockenfutter sollte der Fleischanteil bei 40% liegen, dieser kann sich aus frisch zubereitetem & getrocknetem Fleisch zusammensetzen. Trockenfutter enthält aus technischen Gründen im Herstellungsprozess generell viele Kohlehydrate (ca. 40%), damit sie nicht zerbröseln.


Das Futter sollte innerhalb der EU hergestellt werden. Hier gelten zumindest etwas strengere Regelungen bzgl. der Lebensmittelqualität und der verwendeten Rohstoffe.


Das Futter sollte wenig, bzw. im Idealfall gar keine Zusatzstoffe beinhalten. Das lässt auf einen schonenden Herstellungsprozess der Zutaten schließen.

 

Das Futter enthält kein Flügelprotein. Getrocknetes Geflügelprotein = Knochen, Schnäbel, Federn, Haut, Krallen, Innereien verschiedenster Vogeltiere. Diese Masse wird getrocknet und mit einer Bandbreite an Zusatzstoffen vermischt. Diese schlagen auf den Darm, lösen oft Durchfall und der Stoffwechsel des Hundes wird verlangsamt. 

 

+ Der in % aufgeführte Fleischanteil entspricht wirklich dem Inhalt. 
Bsp. 1 "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (60% Huhn)" 

--> 60% davon sind von einem gesamten Huhn mit Federn, Klauen, Schnabel. Der tatsächliche Fleischanteil dieser 60% ist dementsprechend geringer. 

Bsp. 2 "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 70% Huhn (Muskelfleisch 50%, Herz  15%, Magen 15%, Leber 9%, Hals 11%)"

--> Dieses Futter enthält tatsächlich 70% Fleisch bezogen auf die ganze Packung. In der Klammer steht nur die Aufteilung der unterschiedlichen Fleischarten, die in Summe 100% ergeben - dies gibt Auskunft wie die 70% Huhn sich zusammensetzen.  

 

Anzeichen, dass dein Hund sein derzeitiges Futter verträgt:

  • sein Fell glänzt
  • er setzt regelmäßig Kot ab und dessen Konsistenz ist einheitlich fest (nicht hart!)
  • der Hund ist lebendig und fit
  • er ist nicht übergewichtig (d.h. die Taille ist erkennbar, die Rippen sind ohne starken Druck spürbar)
  • er zeigt keine der oben genannten Verhaltensauffälligkeiten
  • er ist gesund.

Selbst wenn Dein Hund sein derzeitiges Futter (scheinbar) gut verträgt, ist es immer ratsam einen genauen Blick auf die Zutatenliste zu werfen. Du isst vielleicht auch manchmal Fast Food oder Ungesundes, das du in dem Moment gut verträgst - gut für deinen Körper ist es langfristig trotzdem nicht.
Wenn du dir unsicher bist, ob dein Futter für deinen Hund geeignet ist, melde dich gerne bei mir für eine Futtermittelanalyse. 

Quellen:

  • brain-effect.com. (2020). Darmbakterien: Wie sie unser Gehirn und unsere Stimmung beeinflussen. Abgerufen von www.brain-effect.com/magazin/darm-gehirn
  • J. Stockman, A. J. Fascetti, P. H. Kass, J. A. Larsen: Evaluation of recipes of home-prepared maintenance diets for dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 242, Nr. 11., 2013
  • Hans-Ulrich Grimm. Katzen würden Mäuse kaufen: Wie die Futterindustrie unsere Tiere krank macht. Knaur Verlag, München 2016
  • Meyer, H., Zentek, J.: Ernährung des Hundes. Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 6. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart 2010

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